Das Wichtigste
- Indonesien prüft seine Regeln zur visumfreien Einreise wegen der Zunahme grenzüberschreitender Cyberkriminalität und illegalen Online-Glücksspiels.
- Über 500 ausländische Staatsbürger wurden zuletzt wegen mutmaßlicher Beteiligung an Betrugsnetzwerken festgesetzt, viele davon nach visumfreier Einreise.
- Die Generaldirektion für Einwanderung hat in diesem Jahr bereits tausende Abschiebungen und Widerrufe von Aufenthaltsgenehmigungen vollzogen.
- Wer derzeit visumfrei einreisen darf, kann weiter kommen, muss an der Grenze aber mit strengeren Kontrollen rechnen.
Die indonesische Regierung überprüft ihr Programm zur visumfreien Einreise, nachdem hunderte ausländische Staatsbürger mit Verbindungen zu internationalen Betrugsnetzwerken festgesetzt wurden
Indonesien überprüft derzeit seine Regeln zur visumfreien Einreise als Teil eines breiteren Vorgehens gegen grenzüberschreitende Cyberkriminalität. Die Generaldirektion für Einwanderung bestätigte, dass die Einreiseerleichterungen des Landes auf dem Prüfstand stehen. Auslöser sind mehrere aufsehenerregende Einsätze gegen ausländische Staatsbürger, die illegales Glücksspiel und Online-Betrugsnetzwerke betrieben haben sollen.
Nach Angaben der indonesischen Polizei (INP) setzten die Behörden zuletzt bei getrennten Razzien in Jakarta und Batam mehr als 500 Personen fest. Unter den Verdächtigen waren Staatsbürger mehrerer südostasiatischer Länder, die derzeit von der visumfreien Einreise für 30 Tage profitieren.
Silmy Karim, Generaldirektor für Einwanderung, in einer offiziellen Mitteilung:
„Fälle von Ausländern, die an illegalen Aktivitäten beteiligt sind, auch aus Ländern mit visumfreier Einreise, machen eine Überprüfung erforderlich.“
Er wies darauf hin, dass diese illegalen Aktivitäten ein „ernstes Problem“ für die nationale Sicherheit und die öffentliche Ordnung seien.
Tausende Abschiebungen bis Mai 2026
Die Ermittler stellten fest, dass viele der Festgenommenen über visumfreie Einreise oder ein Visum bei Ankunft (VoA) ins Land gekommen waren.
Als Reaktion darauf haben die Einwanderungsbehörden ihr Vorgehen verschärft und 2026 bislang über 6.700 Verwaltungsmaßnahmen ergriffen, darunter mehr als 2.000 Abschiebungen und Widerrufe von Genehmigungen.
Die Überprüfung soll Indonesiens Interesse an der Erholung des Tourismus damit in Einklang bringen, dass das Land kein sicherer Hafen für internationale Betrugsbanden wird.
Was das für Reisende nach Indonesien bedeutet
Änderungen an der Liste der visumfreien Länder sind bislang nicht angekündigt, doch die Behörden betonen ein strengeres „selektives Einwanderungsprinzip“. Vorrang bei der Einreise haben demnach Reisende, die dem Land nützen und kein Risiko für die öffentliche Ordnung darstellen.
Die schärfere Prüfung der visumfreien Einreise fällt mit einem breiteren Vorgehen in beliebten Urlaubsregionen zusammen: Die Behörden auf Bali gingen zuletzt gegen ausländische Influencer und Freiwillige vor, die mit Touristenvisum illegal arbeiteten.
Der Schritt folgt außerdem einem Trend in der gesamten Region. Thailand erwog zuletzt ebenfalls Anpassungen an der eigenen visumfreien Einreise, um möglichen Missbrauch durch ausländische Staatsbürger einzudämmen.
Vorerst können Reisende aus berechtigten Ländern weiterhin nach den bestehenden Regeln nach Indonesien einreisen, müssen an den Grenzübergängen aber mit strengeren Kontrollen rechnen.




