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Island kürzt Aufenthalt nach dem Studium auf 18 Monate

Die Hallgrímskirkja in Reykjavík, Island
Photo — Unsplash

Das Wichtigste

  • Island hat die Jobsuche nach dem Abschluss von drei Jahren auf 18 Monate gekürzt.
  • Studierende müssen bei jeder Verlängerung ihres Aufenthaltstitels Studienfortschritte nachweisen.
  • Die finanziellen Mindestbeträge stiegen zum 18. Mai 2026 auf 259.951 ISK pro Monat (2.080 US-Dollar) für Einzelpersonen.
  • Der Familiennachzug über die Studierendenroute umfasst keine älteren Eltern mehr.

Die Änderungen am Ausländergesetz treffen Studierende von außerhalb des EWR mit strengeren Verlängerungen, höheren finanziellen Anforderungen und engeren Rechten beim Familiennachzug

Islands Parlament hat weitreichende Änderungen am Studierendenvisum beschlossen. Die Zeit, die Absolventen für die Jobsuche im Land bleiben dürfen, sinkt von drei Jahren auf nur noch 18 Monate. Zudem müssen alle, die ihren Aufenthaltstitel verlängern wollen, künftig Studienfortschritte nachweisen. Die Änderungen am Ausländergesetz zielen ausdrücklich auf Studierende von außerhalb des EWR und der EFTA, wie Islands öffentlich-rechtlicher Sender RÚV berichtet.

Die Justizministerin bezeichnete die Reform als notwendige Korrektur. Sie solle „unregelmäßige Anträge angehen und dafür sorgen, dass das System fair bleibt“, und räumte ein, Islands bisherige Regeln seien „großzügiger als in anderen nordischen Ländern“ gewesen.

Ein Positionspapier des Justizministeriums vom Juni 2026 wurde noch deutlicher: „Es gibt Hinweise darauf, dass Studierendentitel als Weg ins Land genutzt werden, ohne dass ein Studium an einer isländischen Hochschule der eigentliche Zweck ist.“

Was hinter dem harten Kurs steckt

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Zwischen 2020 und 2025 verachtfachten sich die Studienanträge aus bestimmten Ländern außerhalb des EWR. 2024 erteilte Island pro Kopf rund 55 % mehr Studierendentitel als die nordischen Nachbarn. Diese Lücke alarmierte die Behörden, die intern begannen, die Studierendenroute als „Hintertür“ für Arbeitsmigration zu bezeichnen.

Die Antwort der Regierung ist eine Strategie, die sie „Nordic Alignment“ nennt und die Islands Einwanderungsregeln näher an die Standards in Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland bringen soll.

Die 18-Monate-Frist für Absolventen

Die folgenreichste Änderung für aktuelle und künftige Studierende ist das halbierte Zeitfenster nach dem Studium. Nach den alten Regeln hatten Absolventen drei volle Jahre, um eine passende Anstellung zu finden und zu einer Arbeitserlaubnis zu wechseln. Dieser Zeitrahmen ließ Luft, Sprachkenntnisse aufzubauen, langsame Bewerbungszyklen zu überstehen oder Fachpositionen anzustreben.

Mit nur noch 18 Monaten müssen Absolventen deutlich schneller ein Angebot für eine Fachstelle sichern, wenn sie über die Beschäftigungsroute in Island bleiben wollen.

Studienfortschritt wird zur Bedingung für die Verlängerung

Künftig müssen Studierende bei jedem Antrag auf Verlängerung des Aufenthaltstitels nachweisen, dass sie aktiv Leistungspunkte sammeln. Eine bloße Einschreibung an einer isländischen Hochschule reicht nicht mehr. Wer bei der Verlängerung keine zufriedenstellenden Studienergebnisse vorweisen kann, riskiert den Verlust des Titels.

Höhere finanzielle Hürde für Antragsteller

Die Kosten für ein Studium in Island für Staatsbürger von außerhalb des EWR stiegen schon vor der Abstimmung im Parlament. Seit dem 18. Mai 2026 liegt der monatliche Mindestbetrag bei 259.951 ISK (2.080 US-Dollar) für eine Einzelperson und bei 415.922 ISK (3.327 US-Dollar) für ein Ehepaar. Antragsteller müssen von Anfang an nachweisen, dass sie diese Beträge aufbringen, und sie über den gesamten Aufenthalt halten.

Familiennachzug deutlich eingeschränkt

Nach den überarbeiteten Regeln können Inhaber eines Studierendentitels nur noch Ehepartner, Lebenspartner und Kinder unter 18 Jahren nachholen. Eltern, die bisher zu ihren Kindern nach Island ziehen konnten, wenn sie über 67 waren, sind aus der Studierendenroute vollständig gestrichen. Damit entfällt ein Weg, der besonders für Antragsteller attraktiv war, die Studium und Familiennachzug als Paket sahen.

Arbeitserlaubnisse wandern zur Einwanderungsbehörde

Island hat außerdem die Zuständigkeit für Arbeitserlaubnisse von Studierenden von der Arbeitsdirektion an die Einwanderungsdirektion (Útlendingastofnun) übertragen. Die allgemeine Obergrenze von 22,5 Stunden pro Woche während des Studienjahres bleibt unverändert. Die Bündelung bei einer Behörde gibt der Einwanderungsbehörde jedoch ein vollständiges Bild davon, ob die Arbeitstätigkeit einer studierenden Person zu den Aufenthaltsbedingungen passt.

Was das für US-amerikanische Studierende bedeutet

US-Staatsbürger fallen unter denselben verschärften Rahmen wie alle anderen Antragsteller von außerhalb des EWR. Zwar sanken die Einschreibungen aus den USA in Island 2025 um 9 %, doch US-Staatsbürger bleiben eine der größten nicht-europäischen Studierendengruppen im Land. Für sie gelten jetzt dieselben höheren finanziellen Schwellen, Nachweispflichten zum Studienfortschritt und die verkürzte Frist nach dem Abschluss.

Für Amerikaner kommt eine zusätzliche Ebene hinzu. Das US-Außenministerium wies am 14. Mai 2026 darauf hin, dass alle, die länger als 90 Tage in Island leben wollen, einen Aufenthaltstitel beantragen müssen, und verwies Reisende auf das kommende europäische Entry/Exit-System sowie die für Ende 2026 erwarteten ETIAS-Anforderungen. Dieser Hinweis ging nicht speziell auf Islands Reform des Studierendenvisums ein, macht aber deutlich, dass sich Amerikaner ab einem Aufenthalt von mehr als 90 Tagen nicht auf die üblichen Einreiseregeln für Touristen verlassen können.

Bestandsschutz gibt es nicht

Studierende, die schon in Island leben, sollten nicht davon ausgehen, dass sie nicht betroffen sind. Die strengeren Regeln greifen, sobald bestehende Titel zur Verlängerung anstehen. Aktuelle Studierende stehen damit vor derselben Prüfung des Studienfortschritts, denselben Nachweispflichten und denselben knapperen Fristen wie Neuankömmlinge.

Der Gesamteffekt ist eindeutig: Island hat internationalen Studierenden die Tür nicht zugeschlagen, den Weg aber deutlich enger, teurer und stärker kontrolliert gemacht.

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